Review (PS4): Final Fantasy XV

Zum (weit mehr als) 15ten Teil der erfolgreichen Rollenspielserie gehört nicht „nur“ das Spiel selbst:
Für das Final Fantasy 15 Kompletterlebnis ist es sinnvoll, vorher die zum Spiel gehörende Anime-Serie Final Fantasy 15 Brotherhood und den als BluRay erhältlichen Film Final Fantasy 15 Kingsglaive anzusehen.

Die Anime-Serie mit 5 Folgen à ca 20 Minuten bringt dem Zuschauer die Beziehung der Gefährten zur Hauptfigur näher und der Film erzählt die Vorgeschichte des Spiels.

Ohne das Wissen aus dem Film wirkt die Story erst unübersichtlich bzw verwirrend. Dazu später mehr.

Im Spiel übernehmt Ihr die Rolle von Noctis „Noct“ Lucis Caleum, dem Kronprinzen des Königreiches Lucis, der Zusammen mit seinen Freunden / Bodyguards Gladio, Ignis und Prompto unterwegs zu seiner Verlobten (Lunafreya Nox Fleuret) ist.

Ohne die Hintergrundinfos aus dem Film / der Serie hilft einem dieses Wissen erstmal wenig: die 4 Jungs, die auch eine japanische Boyband sein könnten, sind mit dem an einen Audi R8 erinnernden Fahrzeug, dem Regalia, unterwegs - und bleiben direkt zum Spielstart erstmal auf der Straße stehen, weil ihr Fahrzeug nicht genug Treibstoff hat.

Die Gruppe um den (in den ersten Kapiteln) nicht ganz so königlichen Noctis schiebt als erste gesteuerte Handlung den Regalia zur Werkstatt / Raststätte Hammerhead.

Während der Schiebetour werden 2 Dinge sofort klar: Die Landschaft(en) in FF15 sind atemberaubend und weitläufig. Die großen Distanzen zu laufen, wie größtenteils in den Vorgängern, ist keine gute Idee - und würde die ohnehin schon beträchtliche Spielzeit nur unnötig verlängern.

Während die Gruppe also auf die Reparatur des Fahrzeuges wartet, wird die Zeit sinnvoll genutzt: nach kurzen Tutorials geht es auch den ersten Gegnern an den Kragen.

Das Kampfsystem ist mittlerweile weit vom Rundenbasierten „Eine/r nach dem anderen“ entfernt: Direkt gesteuert wird nur Noctis - die 3 Gefährten agieren automatisch bzw. führen auf Kommando eine Fähigkeit aus, deren Verfügbarkeit durch einen Kommandobalken mit 3 Abschnitten angezeigt wird.

Noctis selbst wird über den Analog-Stick gesteuert, dazu kommen noch die Controllerbuttons für Angriffe mit der ausgerüsteten Waffe, Sprünge, Ausweichbewegungen und Noctis‘ Spezialität, dem Warpangriff. Diese Angriffe verbrauchen Noctis Magiepunkte, teleportieren ihn aber zum Gegner / anvisierten Körperteil des Gegners und verursachen mehr Schaden als normale Angriffe. Zusätzlich dazu können beim Warp zu höhergelegenen, markierten Plätzen die Lebens-/ Magiepunkte von Noctis aufgeladen werden.

Neben Flanken-/Kombinationsangriffen gibt es auch noch die in Final Fantasy allgegenwärtige Magie, wobei jene in FF15 (neben den Warpangriffen) aber eher wenig genutzt wird. Dauerfeuer aus Zaubern, wie in FF13, sind in FF15 fehl am Platze - und unmöglich.

Teil der Magie des Königshauses von Lucis ist es, neben des „Cool über das Schlachtfeld warpens“ (Zitat Propmto) auch, Waffen zu beschwören:

Noctis kann auf Knopfdruck zwischen bis zu 4 Waffen / Zaubern wechseln - auch mitten im Kampf / während Angriffen.

Die Waffenauswahl der Begleiter ist etwas beschränkter:

  • Gladio schwingt die mächtigen 2-Hand- bzw Großschwerter oder geht mit einem Schild ins Getümmel,

  • Ignis kämpft mit 2 Dolchen, die je nach Waffe negative Statusveränderungen hervorrufen können oder traktiert die Gegner mit einem Speer,

  • Prompto verwendet als Fernkämpfer der Gruppe entweder Pistolen oder die unterschiedlichen Maschinenwaffen.

Der Prinz selbst kann jeden genannten Waffentyp verwenden, hat aber zusätzlich noch Zugriff auf Langschwerter und andere besondere Waffen, auf die aus Storygründen erstmal nicht näher eingegangen wird.

Nach gewonnenen Kämpfen und abgeschlossenen Aufträgen erhält die Gruppe zum einen Fertigkeitspunkte zum Freischalten der Fähigkeiten / Kommandos und zum anderen die für die meisten Rollenspiele unvermeidlichen Erfahrungspunkte.

Anders aber als bei den meisten Rollenspielen führen diese Punkte nicht sofort zum Levelaufstieg: die EP werden erst „angerechnet“, wenn die Gruppe in einem Hotel / einer Unterkunft / einem Wohnwagen oder im Freien bzw. im Zelt übernachtet.

Das Rasten rechnet aber nicht nur die gesammelten EP an, sondern lässt auch die Zeit vergehen - das ist besonders zu Anfang des Spiels wichtig, denn wenn es Nacht wird, erscheinen die „Siecher“ genannten Dämonen, die sehr viel stärker als die normalen Gegner sind.

Abgesehen davon werden durch das Rasten auch 2 der 4 Charakterabhängigen Fähigkeiten ausgelöst:

  • Prompto schießt mit seiner Kamera während der Reise (auch während Kämpfen) immer wieder Fotos, die dann bei jeder Rast angesehen und für das Fotobuch ausgewählt werden können und (die „Screenshots“ ohne Interface sind alle mit Promptos Ingame-Kamera gemacht)

  • Ignis kocht aus den gefundenen oder gekauften Zutaten eine stärkende Mahlzeit für die Gruppe, was z.B. die LP für eine gewisse Dauer erhöht - im (MMO-)RPG-Slang zumeist als „Buff-Food“ bezeichnet.

Gladios‘ und Noctis‘ Fähigkeiten kommen an bestimmtem Orten (Noctis) oder nach den Kämpfen (Gladio) zum Vorschein:

  • Gladio findet zu einer bestimmten %-Chance nach dem Ableben eines Gegners weitere Gegenstände (Wertgegenstände oder Tränke und Ähnliches) und

  • Noctis …. Angelt! In dem kleinen Minispiel werden zuerst Schnur, Köder und Angelrute ausgewählt und dann der Schwimmer ausgeworfen. Durch Tastendruck werden dann die Fische angelockt und durch zeitlich gut abgepasstes Drücken der Schultertaste (hoffentlich) an Land gezogen.

Noctis‘ Angeln ist übrigens die einzige „aktive“ Fähigkeit: Gladio sucht automatisch nach Items, Prompto macht sowieso immer und überall Fotos und Ignis‘ Kochkünste werden durch Auswahl & Knopfdruck zum Vorschein gebracht.

Durch die zahlreichen Nebenquests verdient die Gruppe GIL - die FF-Standardwährung -, Heilgegenstände, Accessoires, Waffen und Komponenten zum Aufwerten mancher Waffen. Auch die allseits beliebten Beschwörungen sind mit von der Partie - mit beeindruckenden (und vernichtenden) Effekten.

Bei den Beschwörungssequenzen trumpft FFXV mit seiner ganzen Pracht: neben den schon genannten weitläufigen und unterschiedlichen Landschaften (Steppe, Stadt, Vulkan, Sumpf, Höhlen etc.) sind auch die vielen verschiedenen Gegner gut in Szene gesetzt - bis sie in einem Effektgewitter vergehen (oder auch nicht vergehen …).

Ab und zu schleicht sich mal eine Nicht ganz so hübsche Textur (seltsam aussehende Haare im Fahrtwind des Regalia) herbei - das ist aber eher eine Ausnahme als die Regel.

Abgesehen von den verschiedenen Soundeffekten der Zauber, Waffen und Gegner glänzt FF15 mit einer schönen Besonderheit: Die Dialoge und Zwischensequenzen sind komplett vertont - je nach Präferenz in Deutsch (!!), Englisch oder Japanisch.

Die Audio- sowie Textsprache lässt sich mit Rückkehr zum Hauptmenü jederzeit ändern.

Apropos Menüs: Das Startmenü wirkt auf den ersten Blick erstmal unübersichtlich, wenn man aber erstmal weiß, was sich hinter den Bezeichnungen verbirgt, wird die Menüsteuerung schnell sicherer.

Wenn sich die Gruppe gerade nicht in einem Dungeon / Kampf / einer wichtigen Szene befindet, kann über das Menü jederzeit gespeichert werden. Speicherpunkte Adé.

Sich mit der Gruppe gerade nicht im Kampf befinden ist durch die Sichtbarkeit der Gegner leichter als in den Vorgängern - es gibt nur wenige „Zufallskämpfe“, wie das plötzliche erscheinen der Siecher oder von der Decke fallende und aus dem Boden kriechende Gegner.

Abschließend nochmal zur Story:
Am Anfang wirkt alles erstmal relativ friedlich - wenn man vom herrschenden Krieg zwischen Lucis und dem Imperium von / aus Niflheim absieht.

Im Lau der ersten 2 Kapitel spitzt sich der Konflikt zu - bis die Welt Eos später überraschend dunkel und bedrohlich wird. Die FF-Reihe ist kein unbeschriebenes Blatt, was Weltenbedrohende Wesen und Katastrophen etc. angeht (Planetenzerstörer / Umformer wie Kefka(FF6), Sephiroths / Jenovas Meteor(FF7) und Sin(FF10) als ein paar Beispiele), aber die Verzweiflung und Machtlosigkeit, die gegen Spielende um sich greift, ist ein krasser Kontrast zum „bunten Final Fantasy“.

FF15 ist ein MUSS für alle FF-Fans, aber, wie das Spiel am Anfang verkündet, auch etwas für Neueinsteiger.

Square Enix hat außerdem zahlreiche DLCs angekündigt, die mehr von allem und im besonderen mehr Storytiefe bringen sollen. Ich freue mich drauf, noch mehr Stunden mit FF15 zu verbringen als bis jetzt schon: Nach ca 80 Spielstunden habe ich mit Nebenquets erstmal aufgehört, um den Hauptstoryteil des Spiels abzuschließen - vom „Durchspielen“ traue ich mich noch gar nicht zu sprechen.

10. Februar 2017, von Markus 'Markus S.' Schaffarz

Final Fantasy XV

Sony PlayStation®4 Spiel

PublisherSquare Enix
Websitefinalfantasytype0.com
Facebookfb/FinalFantasyType0
Release (D)29.11.2016
Twittertwitter/SquareEnixPRDE
YouTubeYouTube.com/FinalFantasyXV

Square Enix GmbH

Hersteller

Websitesquare-enix.com/eu/de
YouTubeyoutube.com/SquareEnixGermany

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