Preview (Kino): Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger

Monatelang alleine mit einem Tiger auf einem Rettungsboot… Am 26. Dezember kommt die Roman-Verfilmung des kanadischen Schriftstellers Yann Martel Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger in die deutschen Kinos. Wer das Buch kennt, kann sich vorstellen, dass die Adaption für den Regisseur Ang Lee eine Herausforderung war, denn viel Handlungsspielraum bleibt einem mit der Kamera auf einem Rettungsboot nicht und andere erfolgreiche Regisseure haben zuvor nicht ohne Grund ihre Adaptionen aufgegeben...

Pi Patel (Suraj Sharma) und Richard Parker Piscine Molitor Patel (Suraj Sharma), auch Pi genannt, ist der Sohn eines indischen Zoodirektors. Wie auch seine Eltern ist er ein gläubiger Hindu. Als er etwas älter wird, beginnt er, sich auch für das Christentum und den Islam zu interessieren. Eines Tages beschließt sein Vater auszuwandern und kurze Zeit später befinden sich Pi, seine Eltern und einige Zootiere auf einem Frachter Richtung Kanada. Doch sie geraten in einen Sturm und das Schiff sinkt, nur Pi kann sich auf ein kleines Boot retten. Dem Tod vermeintlich entkommen, entdeckt der Junge, dass noch jemand auf das Rettungsboot geflüchtet ist: der bengalische Tiger Richard Parker…

Gita Patel (Tabu)Das Abenteuer wird aus der Sicht des Protagonisten Pi gezeigt, der als Erzähler fungiert und der als Erwachsener aus dem Off in Rückblenden von seinem Leben als Kind und Jugendlicher berichtet. Eine subjektive Kamera, die das Geschehen aus den Augen des Jungen zeigt, unterstützt diese Erzählhaltung. So erblickt der Zuschauer Pis Arme vor sich, die er schützend vor seine Augen hält oder die Bilder werden unscharf, sobald der Junge seekrank wird. Mithilfe der 3D-Technik wird es dem Zuschauer zusätzlich ermöglicht, an Pis Abenteuer teilzuhaben. Beispielsweise scheinen die tobenden Wellen während dem Sturm auf den Kinobesucher hereinzubrechen oder Richard Parker springt unerwartet unter der Plane des Rettungsbootes auf den Zuschauer hervor.

Patel (Suraj Sharma)Aus Sicherheitsgründen sind verständlicherweise der Tiger, wie auch die anderen Zootiere, mit wenigen Ausnahmen CGI-Produkte. Sie stammen aus der Feder des Effektspezialisten und Oscar-Preisträgers Bill Westenhofer (Der Goldene Kompass), der hier überragende Arbeit geleistet hat. Falls dem Zuschauer auffällt, dass es sich um Animationen handelt, vergisst er es gleich wieder. Somit ist Pi und auch dem Besucher stets klar, dass Richard Parker ein Raubtier ist und jederzeit zur Gefahr werden kann.

Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger Im Gegensatz zu dem Tiger, der erhaben und stolz wirkt, ist Pi dagegen zunächst der hilflose Junge, der sich unerfahren am Leben halten will. So wird eine große Sympathie für den schiffbrüchigen Jungen aufgebaut, der zuerst tollpatschig und naiv Fische fängt, um den hungrigen Tiger ruhig zu stellen, und der schließlich clever das Raubtier wie einen Hund zu konditioniert versucht. Doch beide Figuren durchlaufen bis zum Ende des Films einen Wandel, der Spaß macht, mitzuerleben.

Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger Eine wichtige Rolle spielen zudem die drei Weltreligionen, mit denen Pi schon sehr früh in Kontakt kommt. Als Kind kann er nicht verstehen, warum man nicht allen dreien angehören kann. Während seines Abenteuers wird sein Glauben schließlich auf eine harte Probe gestellt. Viele religiöse Symbole begleiten ihn auf seinem Weg, wie die Sonne, die plötzlich durch die grauen, stürmenden Wolken bricht, und die wie ein göttlicher Finger auf das Rettungsboot zeigt. Und trotzdem ist der Film in keinster Weise mit Klischees behaftet. Die satten Farben des Sonnuntergangs, sie sich auf der ruhigen See spiegeln, erscheinen fast surreal. Trotzdem haben diese Bilder keinen kitschigen Nachgeschmack, sondern sie runden vielmehr die fabelhafte Geschichte um Pi und den Tiger ab.

Pi Patel (Suraj Sharma) und Richard ParkerBereits erfolgreiche Regisseure wie Jean-Pierre Jeunet (Die fabelhafte Welt der Amelie) oder Alfonso Cuarón (Harry Potter und der Gefangene von Askaban) hatten sich an der Verfilmung von Yann Martels Roman versucht, doch erst Ang Lee traut sich mit seiner Adaption in die Kinos. Ang Lee, der bereits 2006 den Oscar für seine Regiearbeit in Brokeback Mountain erhielt, schafft es, den Zuschauer mit seiner herausragend inszenierten Fabel bis zur letzten Minute zu fesseln. Überraschend taucht auch der französische Schauspieler Gérard Depardieu mit einem kleinen Gastauftritt als grummeliger Schiffskoch auf und sorgt für einiges Grinsen.

Fazit

Mit viel Witz und malerischen Aufnahmen ist Life of Pi ein Kinoerlebnis, das sich für Klein und Groß lohnt. Die farbenfrohen Bilder strahlen eine Wärme aus und Suraj Sharma spielt so glaubhaft den jungen Pi, sodass Life of Pi zu Tränen rührt. Die sehr klaren 3D-Effekte sind lediglich das i-Tüpfelchen auf Ang Lees Meisterwerk.

20. Dezember 2012, von Katharina 'Katharina S.' Späth

Pi Patel (Suraj Sharma) und Richard Parker
Gita Patel (Tabu)
Patel (Suraj Sharma)
Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger
Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger
Pi Patel (Suraj Sharma) und Richard Parker

LIFE OF PI - SCHIFFBRUCH MIT TIGER

Kino

Release (D)26.12.2012
GenreAbenteuer Drama
Distributor20th Century Fox
Laufzeit2h 0m
DarstellerSuraj Sharma Gérard Dépardieu Irrfan Khan Tabu Rafe Spall
RegieAng Lee