Preview (Kino): Django Unchained

Seit seiner Ankündigung freute ich mich auf Django Unchained. Die Kombination von Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson in einem Western von dem bekennenden Western und Italo-Western Fan Quentin Tarantino klang einfach zu gut um wahr zu sein. Nun kommt der Film am 17.01.13 endlich in deutsche Kinos. Kann Django Unchained halten, was er auf dem Papier und durch die Trailer verspricht?

Jamie Foxx als Kurz vor dem amerikanischen Bürgerkrieg verfolgen wir zwei Sklavenhändler. Auf ihrer Reise treffen sie den ehemaligen Zahnarzt und derzeitigen Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (Christoph Waltz), welcher just auf der Suche nach diesen Herrschaften ist, da sie einen Sklaven im Schlepptau haben, den Schultz gerne kaufen würde: Django (Jamie Foxx). Nach einem kleinen Disput mit den Händlern schließt sich Django Schultz an, ihm bei seinem Job zu helfen. Schlussendlich machen sich die beiden auf, Djangos Frau Broomhilda von Shaft zu befreien.

Dr. King Schultz (Christoph Waltz) in Sony Pictures DJANGO UNCHAINED.Originalität sucht man beim Plot vergebens, dafür strotzt Django Unchained nur so vor Coolness und Stil. Verantwortlich dafür ist unter anderem der Maincast bestehend aus Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson. Foxx macht seine Sache sehr ordentlich und bringt die Figur des anfangs wortkargen und ungebildeten Django, der sich im Laufe des Films immer besser an seine Freiheit gewöhnt und diese auch auslebt, sehr glaubwürdig rüber. Mit dem Charakter des Dr. King Schultz bekommt Christoph Waltz einmal mehr die Möglichkeit, seinen ganzen Charme spielen zu lassen. Dementsprechend macht es einfach nur eine Menge Spaß, dem Doktor/Kopfgeldjäger bei seiner Arbeit zuzuschauen und seinen Dialogen zu lauschen - eine wahre Wonne!

Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) in Sony Pictures DJANGO UNCHAINED.Auch DiCaprio als Calvin Candie überzeugt auf ganzer Linie. Mag er anfangs noch etwas fehl am Platze wirken, verschwindet dieses Gefühl in Windeseile während des ersten Dialogs mit Schultz. Die Show stiehlt aber Samuel L. Jackson als Stephen, dem alten Haussklaven von Candie. Bei seinem ersten Auftritt kann man noch denken, dass er nichts weiter als ein Comic Relief ist. Doch während des zweiten Aktes des Films merkt man, dass mehr hinter diesem Charakter steckt als man anfangs gedacht hat. Und Jackson spielt das einfach nur hervorragend, anders kann man es einfach nicht sagen.

Jamie Foxx als Wie man es von Tarantino mittlerweile gewohnt ist - auch der Soundtrack ist wieder erste Sahne. Angefangen bei der Titelmelodie des originalen Django aus dem Jahre 1966, über typische Westernklänge bis hin zu modernem Hip-Hop und Klängen von Johnny Cash ist hier mal wieder alles vertreten. Und so merkwürdig es auch klingen mag, diese modernen Stücke passen perfekt in das Universum von Django Unchained und wirken zu keinem Zeitpunkt störend.
So gut die Schauspieler sind, so sind die Dialoge an sich doch immer der heimliche Star eines Tarantino Films. Egal, ob Schultz Django das Kopfgeldjägergeschäft erklärt oder ob Mitglieder des Ku Klux Klans darüber diskutieren, ob sie nun die extra angefertigten, aber Sichtfeld störenden Masken während ihres Angriffes tragen sollen, so gut wie jedes Gespräch in dem Film ist erste Klasse.

Dr. King Schultz (Christoph Waltz, l.) und Django (Jamie Foxx, r.) in Sony Pictures DJANGO UNCHAINED.Technisch erwartet den Zuschauer nichts Besonderes. Tarantino wagt keinerlei Experimente mit Django Unchained, und so wartet er mit den typischen Kameraperspektiven und -schwenks auf. Altbekanntes also. Vermisst habe ich die eigentlich typischen Plansequenzen Tarantinos, diese sind leider vollkommen abstinent.
Was darf bei solch einem Film natürlich auch nicht fehlen? Richtig, jede Menge Blut. In jedem Shootout spritzt der rote Lebenssaft einfach nur vor sich hin, und die Körperteile fliegen in alle Himmelsrichtungen. Natürlich nicht realistisch, aber für nicht sensible Zuschauer ein großer Spaß.

Jamie Foxx (Django) in Sony Pictures DJANGO UNCHAINED.Leider hat der Film auch Schwächen. Mit einer Länge von ca. 160 Minuten ist er doch sehr lang, was besonders im zweiten Akt auffällt. Dort verfängt sich Tarantino nämlich in seinen Dialogen, worunter der Spannungsbogen des Films mächtig leidet. Ähnlich wie schon die Kneipenszene in Inglorious Basterds, welche einfach ein kleines bisschen zu lang war, ist das bei Django Unchained mit dem kompletten zweiten Akt der Fall. Man hat einfach manchmal das Gefühl, dass Tarantino alle seine coolen Dialoge in seinen Filmen benutzen will, weswegen er sie irgendwie hineinzwingt. In der Kürze liegt halt doch manchmal die Würze. Denn trotz des spektakulären Shootouts am Ende des Aktes (und einer etwas holprigen Überleitung in den dritten) kann sich der Film einfach nicht mehr vollständig aus dem Tief herausgraben. So imposant das Finale auch ist, durch die Länge bleibt ein leicht fader Nachgeschmack vorhanden.

Darüber hinaus kann man den Film auch nicht wirklich als einen Western betiteln. Dafür sind einfach zu wenige typische Elemente dieses (zugegeben schwer zu definierenden) Genres vorhanden. Am meisten stört mich das Fehlen eines echten Duells, Django Unchained ist eher ein Actionfilm mit einem Western Setting. Hier hätte man noch ein wenig mehr herausholen können.

Jamie Foxx (Django) in Sony Pictures DJANGO UNCHAINED.Fazit: Ist Django Unchained ein guter Western? Nein. Ist Django Unchained ein guter Actiofilm? Definitiv. Es macht einfach eine Menge Spaß Waltz, Foxx, DiCaprio und Jackson miteinander interagieren zu sehen, und die Actionsequenzen sind klasse. Der Spannungsabfall im zweiten Akt ist ärgerlich, doch insgesamt kann ich jedem, der auf der Leinwand mit Gewalt und einer Menge Rassismus (dieser war halt einfach damals vorhanden) keine Probleme hat, nur wärmstens empfehlen. Für Tarantino-Fans ist Django Unchained sowieso ein Muss!

25. Dezember 2012, von Steffen 'S. Fölsch' Fölsch

© 2012 Sony Pictures Releasing GmbH
Jamie Foxx als "Django" in Sony Pictures DJANGO UNCHAINED.
Dr. King Schultz (Christoph Waltz) in Sony Pictures DJANGO UNCHAINED.
Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) in Sony Pictures DJANGO UNCHAINED.
Jamie Foxx als "Django" in Sony Pictures DJANGO UNCHAINED.
Dr. King Schultz (Christoph Waltz, l.) und Django (Jamie Foxx, r.) in Sony Pictures DJANGO UNCHAINED.
Jamie Foxx (Django) in Sony Pictures DJANGO UNCHAINED.
Jamie Foxx (Django) in Sony Pictures DJANGO UNCHAINED.

DJANGO UNCHAINED

Kino

Websiteunchainedmovie.com
Facebookfb/unchainedmovie?fref=ts
Release (D)17.01.2013
GenreAction Western
DistributorSony Pictures
Laufzeit2h 45m
DarstellerJamie Foxx Christoph Waltz Leonardo DiCaprio Samuel L. Jackson
RegieQuentin Tarantino