Outlaws machen den Charakter einer Stadt au
Klaus Stickelbroeck über Typen, Milieus, Düsseldorf und einen Detektiv der „härter“ werden will
Herr Stickelbroeck, wie real sind die Typen, die Sie als Verbrecher in Ihrem neuesten Düsseldorfkrimi „Auf die harte Tour“ beschreiben? Schließlich sind Sie ja Polizeikommissar in Düsseldorf?
Stickelbroeck: Auch wenn der neue Krimi wieder witzig und schräg daher kommt, ist es mir wichtig, dass die handelnden Figuren realistisch gezeichnet und glaubwürdig sind. Es muss nachvollziehbar sein, warum der Täter etwas zu einem gewissen Zeitpunkt aus einem bestimmten Grund tut. Tun und Motiv müssen im richtigen Verhältnis stehen. Und tatsächlich habe ich vielen Figuren, wie zum Beispiel dem eloquenten Zuhälter HUREN-HEINZ, Eigenschaften, Sprüche und Verhaltensweisen zugeschrieben, die ich im Düsseldorfer Rotlichtmilieu so beobachten konnte. Dienstlich natürlich …
Und wie real sind die eigentlichen Verbrechen?
Stickelbroeck: Hier gilt das Gleiche. Tat und Motiv müssen stimmig sein, sonst nimmt der Leser richtigerweise dem Autor die Handlung nicht ab. Die Taten im Roman haben jetzt kein konkretes „Vorbild“, aber sind so aufgebaut, dass „es“ genau so hätte passieren können. Gerade das „Nachvollziehbare“ macht die Verbrechen realistisch und packt – finde ich – den Leser am ehesten.
Was macht den Düsseldorfkrimi eigentlich so unverwechselbar? Zum Beispiel gegenüber einem Kölnkrimi?
Stickelbroeck: Bei einem Düsseldorfkrimi gehen Scherze ab und zu auf Kosten der Kölner. Bei den Kölnern ist das umgekehrt … Das verschmitzt und offen Rheinländische wohnt beiden Krimis inne. Möglicherweise ist das Stadtleben in Düsseldorf mit Schicki-Micki-Königsallee und erdig-grobem Altstadtflair in Düsseldorf ausgeprägter. Düsseldorf hat da noch extremere „Welten“ zu bieten, was sich prima und schräg mit viel Wortwitz in die Krimis einbauen lässt.
Regenrinnen-Rita oder Jonny – die gibt es vermutlich in jedem Großstadt-Kriminellen-Milieu. Ein bisschen Sozialromantik ist da auch dabei, oder können Sie sich vorstellen, einen Krimi komplett im gehobenen Bürgertum Düsseldorf-Oberkassels spielen zu lassen?
Stickelbroeck: Ganz sicher. Es hat bestimmt seinen Reiz, den hemdsärmeligen Privatdetektiv Hartmann dort eintauchen zu lassen. Mich reizen Milieus, in denen sich Hartmann reiben kann. Und wo sich doch Gemeinsamkeiten finden. Gute Idee, übrigens …
Was reizt Sie an Ihren Protagonisten? Die überdeutlichen Charakterzüge und Schicksalsschläge, die sie einfach ungewöhnlicher machen als das scheinbar wohlsortierte gemäßigte Temperament des Durchschnittsbürgers?
Stickelbroeck: Hartmann ist ein Kumpel, auf den man sich unbedingt verlassen kann. Er hat sein Herz am rechten Fleck. Auf seine optimistisch-naive Art stellte er häufig Verhaltensweisen in Frage, die man selbst oft schon akzeptiert hat. Es macht Spaß zu beschreiben, wie verwirrt andere Figuren darauf reagieren, wenn er mit schrägen Situationen absolut offen und tolerant umgeht. Ich liebe seinen Humor, den ich privat teile. Ich erlebe immer wieder Situationen, in denen ich mich frage, wie Hartmann jetzt reagieren würde. Solche Sachen kommen auch in die Romane. Und schließlich bin ich selbst sehr gespannt, wie Hartmann sich menschlich weiterentwickelt. Im aktuellen Fall nimmt er sich vor, ein wenig härter zu werden. Hart. Härter. Hartmann. Ich sag nur: abwarten! Der Typ macht mich neugierig!
Oder wollen Sie diesen mehr oder weniger Lebenskünstlern und gesellschaftlichen Outlaws auch ein kleines literarisches Denkmal setzen?
Stickelbroeck: Im letzten Karneval habe ich in Düsseldorf eine entsprechend verkleidete Fußgruppe entdeckt, die Schilder trug mit der Aufschrift: Regenrinnen-Rita. Das fand ich super. Ich finde, dass genau solche Lebenskünstler und Outlaws den urbanen Charakter einer Stadt ausmachen.
Und wie viel Stickelbroeck steckt in Ihrem Privatdetektiv Hartmann?
Stickelbroeck: Hartmann spielt sehr viel besser Fußball als ich, was insbesondere die bedauern, die mit mir Fußball spielen. Hartmann und ich teilen den Humor und den Musikgeschmack. Ich bin persönlich froh, dass nicht so oft auf mich geschossen wird.
Rau aber bluesig:
Marina kriegt keine Kohle von Otto für sich und für Klein-Johnny, das Amt schickt ihr nur ein paar Euro rüber, die zum Leben zu wenig sind und zum Sterben zu viel. Sie muss sich also etwas einfallen lassen. Gemeinsam mit Carmen aus der sechsten Etage und Olga, der Polin aus dem neunten Stock des Wohnbunkers mit den 425 Klingeln, beschließt sie, Geld mit dem zu verdienen, was sie alle besonders gut können: Mit Sex. Ecki, der schwule Adlige aus dem vierzehnten Stock steht ihnen bei ihrem waghalsigen, illegalen Unternehmen hilfreich zur Seite. Er weiht sie kenntnisreich in die Choreographie der käuflichen Liebe ein und regelt die technischen Abläufe.Ihr Unternehmen firmiert schon bald unter dem wohlklingenden Namen Lilofee - Ein echtes Erfolgsmodell! Bis eines Tages der Klempner Gregor und seine Handlangerin Mizzie auftauchen, die eigentlich nur nach der kaputten Dusche in Eckis Bude sehen wollen. Von diesem Moment an nimmt ein munteres erotisches Spiel seinen verhängnisvollen Lauf.
Die herrlich schräge Sozialstudie, die Jacques Berndorf mit hintergründigem Humor und feinem Sinn fürs allzu Menschliche ausgetüftelt hat, spiegelt sich auf kongeniale Weise in Christian Willisohns eigens für diese Produktion komponierten Songs. Zwei Könner im perfekten Zusammenspiel – das garantiert allerbeste Unterhaltung!
JACQUES BERNDORF/ CHRISTIAN WILLISOHN
NUTTENBUNKER
1 CD – Laufzeit ca. 70 Min.
ISBN 978-3-942446-40-2
14,50 Euro
Ein rabenschwarzer Abend mit Lachgarantie
So kann es kommen, aber muss es das auch? Ein klares ja, ja und noch mal ja! Am 60. Tag nach dem Ostersonntag ist Fronleichnam – genauer: „Happy Kadaver“, die Crime-Comedy-Gruppenlesung in der Vulkaneifel. Denn die Gelegenheit lassen sich Deutschlands fünf schwarzhumorigste Krimiautoren an diesem 7. Juni nicht nehmen. Sie starten die Neuauflage im schon 2011 bejubelten 5er-Pack.
Zähneklappern, Nervenflattern, Lachtränen – alles garantiert, wenn Peter Godazgar (Halle), Carsten Sebastian Henn (Hürth), Ralf Kramp (Üxheim-Flesten), Tatjana Kruse (Schwäbisch Hall) und Klaus Stickelbroeck (Düsseldorf) zur Musik von Sascha Gutzeit (Wuppertal) in Deutschlands Krimihauptstadt Hillesheim einfallen um in der gemütlichen Eifel-Filmbühne wieder zu „Höchstform“ (Kölner Stadt-Anzeiger zu „Happy Kadaver „2011) aufzulaufen. Zu einer Autorenlesung? Wenn es das nur wäre… Lassen Sie sich das nicht entgehen! Sie würden es bereuen…
HAPPY KADAVER
7. Juni 2012
Eifel-Filmbühne Hillesheim
Beginn: 19 Uhr
Eintritt: 18 €
Restkarten im Vorverkauf:
Buchhandlung Lesezeichen
Augustinerstraße 4, 54576 Hillesheim
T: 06593 – 80 94 33