Neuerscheinung und Interview: NADJA QUINT "Verachte nicht den Tod"
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Nadja Quint hat ein viel versprechendes Debut vorgelegt: „Verachte nicht den Tod“, ein Düsseldorf-Krimi. Wir haben Sie im Interview.
Mitte November erscheint „Der neue Berndorf“: Eifel-Bullen. Schon jetzt häufen sich die Anfragen zum 22. Siggi-Baumeister-Fall des „Gurus des Eifelkrimis“ (DIE ZEIT). Aktueller Stand: Das Manuskript ist im Lektorat „auf der Zielgeraden“. Also alles im Plan. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
„Es gab dafür leider ein reales Vorbild“
Nadja Quint „Verachte nicht den Tod“: Über Krimis, Sterbehilfe und Burn-Out bei Polizisten
Frau Quint, wann hatten Sie die Idee, einen Kriminalroman aus Düsseldorf zu schreiben, und was war Ihre Hauptmotivation dabei?
Quint: In meinem Debütroman geht es unter anderem um Sterbehilfe. Als ich vor neun Jahren das Kreative Schreiben für mich entdeckte, hatte ich noch andere Pläne: Ich wollte Autorin für Fernseh-Komödien werden, denn viele Leute sagen mir ein komisches Talent nach. Also fing ich an, Sketche zu schreiben - und war sogar recht erfolgreich. Ungefähr zwei Dutzend meiner Sketch-Drehbücher wurden für Comedy-Reihen verfilmt. Im nächsten Schritt wollte ich lernen, das Skript für einen abendfüllenden Film zu entwerfen, und habe Workshops besucht. Dort meinten mehrere Dozenten, meine Persönlichkeit und meine Art, mit Sprache umzugehen, seien besser dazu geeignet, Romane zu schreiben. Auch über ernste Themen.
Ich habe den Rat angenommen und überlegt, welchem Genre ich mich widmen sollte. Und da ich selbst gern Krimis lese, ist mir meine Entscheidung leicht gefallen. Dass es dann ein Medizin-Krimi aus Düsseldorf wurde, lag einfach nahe: Hauptberuflich bin ich Fachärztin für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, und in dieser Stadt lebe ich seit mehr als 30 Jahren.
Gab es für die Thematik Ihres Krimis ein reales Vorbild?
Quint: Ja. Wobei ich eher sagen sollte: Leider ja. Vor einigen Jahren erkrankte eine Patientin von mir an nicht operablem Lungenkrebs. Ich habe mit ihr über die Möglichkeiten der Palliativmedizin gesprochen und eine psycho-onkologische Begleitung angeboten. Doch sie wollte das alles nicht mehr erleben: die Atemnot, die Schmerzen, das Siechtum. Darum hat sie sich von mir verabschiedet und ist in den Freitod gegangen. Eine andere Patientin wurde auf äußerst hinterhältige Weise ermordet. Die Kriminalpolizei hat mich dann zu den Lebensumständen befragt.
Ein kunstvoll geknüpfter Handlungsknoten, der den Leser wie die Ermittler in „Verachte nicht den Tod“ zwischendurch immer mal wieder in die Irre führt, löst sich erst gegen Ende auf. Wie haben Sie diesen anspruchsvollen und spannenden Plot für Ihr Debut entwickelt?
Quint: Wieder bin ich von dem ausgegangen, was ich selbst gern lese. Bei einem Krimi schätze ich eine komplexe und dabei gut nachvollziehbare, in sich schlüssige Handlung. Für die Entwicklung des Plots habe ich mir überlegt, wo überall ich zur Erhöhung der Spannung noch eine „Schleife" einbauen kann, ohne den roten Faden zu verlieren.
Es geht auch um Sterbehilfe und die Frage nach dem Recht auf einen selbstbestimmten Tod. Doch eine einfache Antwort geben Sie nicht. Warum gibt es für sie keinen moralisch eindeutigen Ausweg aus dem Dilemma?
Quint: Meines Erachtens kann es einen solchen Ausweg gar nicht geben. Das liegt in der Natur der Sache: Bei derartig existenziellen Fragen gibt es keine einfachen Antworten. Da hat jeder Mensch eine eigene, individuelle Vorstellung, die von Werten und Weltanschauung geprägt ist.
Ihr Debut liest sich leicht, der Gang der Dinge entwickelt sich scheinbar nebenbei. Eine sorgfältige, nicht zu bemühte Schreibe, ohne zu viel Jargon. Das schafft beim Leser Vertrauen. Wie kamen Sie auf diesen Stil, der weitgehend auf schnelle Szenenwechsel verzichten kann?
Quint: Nachdem ich beim Drehbuchschreiben schon viel über Spannungsaufbau und Dialoge gelernt hatte, habe ich mich in den letzten Jahren bemüht, auch die erzählenden Abschnitte des Romans sauber zu entwickeln. Ich muss sagen, dass ich diese Aufgabe als besonders anspruchsvoll empfinde: Ein Schreibstil, der klar und unaufdringlich ist - und dabei in der Lage, unterschiedlichste Gefühl zu transportieren.
Ihre Ermittler wirken zwischenzeitlich ratlos, die Suche nach dem Mörder kommt nicht voran, dann passieren Zufälle, die aber nicht konstruiert wirken, und am Ende stehen die Verdächtigen fest. An welchen Vorbildern haben Sie sich bei der Gestaltung Ihrer Hauptkommissarin Evelyn Eick und den anderen Düsseldorfer Kripo-Beamten orientiert?
Quint: Unter meinen Patienten habe ich immer wieder Polizisten, die unter einer Depression oder einem Burnout-Syndrom leiden. Durch deren Schilderungen bekomme ich Einblick in den Arbeitsalltag der Polizei und habe großen Respekt vor Menschen, die sich in diesen Beruf engagiert einsetzen.
Wir wünschen Ihnen viele Leserinnen und Leser – könnten Sie sich einen zweiten Krimi vorstellen?
Quint: Vielen Dank, die wünsche ich mir selbstverständlich auch. Mein zweiter Krimi ist bereits in der Mache: Diesmal handelt es sich um einen Historischen Eifel-Krimi. Er soll im Frühjahr 2013 heraus kommen - natürlich wieder im KBV-Verlag - und trägt den Arbeitstitel "Das Mädchengrab".
Doch jetzt erscheint ja erst einmal „Verachte nicht den Tod". Wenn der Roman bei den Lesern und Leserinnen gut ankommt, wird es voraussichtlich in ein bis zwei Jahren eine Fortsetzung mit Kommissarin Evelyn Eick geben. Und irgendwann folgt dann sicher auch noch eine Krimi-Komödie in Buchform.
Nadja Quint liest:
Mittwoch, 24.10.2012
Premierenlesung „Verachte nicht den Tod"
Ort: Stadtbücherei Bilk, Bilker Arcaden, Friedrichstr. 132, 40217 Düsseldorf
Beginn: 19.00 Uhr
Donnerstag, 25.10.2012
Krimilesung
Ort: Teehaus Benrath, Genuss u. Inspiration, Cäcilienstr. 3, 40597 Düsseldorf
Tel: 0211-97 71 17 30
Aktionsgemeinschaft Benrath, Buchhandlung Dietsch
Beginn: 20.00 Uhr