Neue Inselkrimis bei KBV - Franziska Franke "Sherlock Holmes und der Fluch des grünen Diamanten" zur SherloCON in Hillesheim erschienen
Urlaub auf den deutschen Nord- und Ostseeinseln hat eine gute Tradition. Auch bei Krimiautoren. Barbara Saladin war auf Juist. Ergebnis: EIN HAUCH VON MEER UND MORD. Ebenfalls inselmörderisch zu geht es im neuesten Band der beliebten Krimisammlungsreihe Mordlandschaften: MUSCHELN, MÖWEN, MORDE – eine kriminelle Reise vom Darß bis Fehmarn.
Vom 24. bis 26. August findet in Hillesheim der Jubiläums-SherloCON („125 Jahre Sherlock Holmes“) der Deutschen Sherlock Holmes Gesellschaft statt. KBV-Autorin Franziska Franke wird aus diesem Anlass aus ihrem neuesten Pastiche lesen: „Sherlock Holmes – und der Fluch des grünen Diamanten“, ebenfalls frisch erschienen.
Am kommenden Freitag, 10. August, startet die Krimi-Caravan-Tour des KBV mit Unterstützung von Fendt Caravan. Abschließend die ersten Termine neben weiteren Leseterminen vom 6. bis 12. August.
„Von einer Insel kann man nicht einfach abhauen“
Barbara Saladin über Juist, die Langsamkeit des Insellebens, James Bond und Island
Kompliment Frau Saladin, wer Juist kennt, wird nach der Lektüre Ihres Krimis „Ein Hauch von Meer und Mord“ den nächsten Inselurlaub buchen. Wer nicht, den wird die spürbare Inselatmosphäre mit dem so genau beschriebenen Inselwind, dem Wellenrauschen oder dem Möwengeschrei überzeugen. Wie oft waren Sie bisher auf Juist?
Saladin: So um die fünf Mal: Das erste Mal kam ich vor vier Jahren im Rahmen des Krimistipendiums „Tatort Töwerland“ nach Juist – und war so fasziniert von der Insel, dass ich seither immer wieder zurückkehre.
Die Inselsituation hat aus Sicht des Krimiautors viele Vorteile, die sie in Ihrem Erstling bei KBV auch direkt thematisieren. Was macht einen Inselkrimi so unverwechselbar zu allen anderen Regionalkrimis?
Saladin: Natürlich die Landschaft und das sie umschließende Meer. Von einer Insel kann man nicht einfach so abhauen, wenn man gerade will. Juist ist in dieser isolierten Situation zudem ein eher extremes Beispiel mit normalerweise nur einer einzigen Fähre am Tag, keiner Möglichkeit, zu Fuß durchs Watt zu entkommen – und wenn sich Nebel über die Insel legt, klappt auch der Flugverkehr nicht mehr.
Und welche reale Geschichte der Barbara Saladin steckt dahinter? Immerhin ist in Ihrem Krimi offenbar doch einiges Autobiographisches versteckt?
Saladin: Das ist eine Frage, die immer wieder auftaucht. Doch „Ein Hauch von Meer und Mord“ ist ein Roman, keine verkappte Autobiographie: Ich habe auf Juist weder je eine menschliche Leiche gefunden noch mich in einen Einheimischen verliebt. Das Einzige, was ich als autobiographisch bezeichnen kann, ist meine Faszination für den Naturraum Wattenmeer und mein Interesse an der Ornithologie.
In „Ein Hauch von Meer und Mord“ ironisieren Sie die Leseveranstaltungen von Krimi-Großschriftstellern, den literarischen Betrieb. Aber auch das skrupellose Inselmarketing, für das ein Mord in der Hauptsaison schlicht geschäftsschädigend ist. Andererseits haben Sie mit dem Stipendium „Tatort Töwerland“ den Juistern auch einiges zu verdanken. Befürchten Sie da nicht den Vorwurf der Undankbarkeit oder der „Nestbeschmutzung“? Schließlich ist Ihrem KBV-Juist-Krimi ja auch die eine oder andere Lesung auch auf Juist zu wünschen?
Saladin: Natürlich wünsche ich mir ein paar Lesungen, und die Erste findet auch auf Juist statt: Beim Krimifestival am 1. September ist Buchpremiere. Und nein, ich befürchte keinen Vorwurf. Ich bin sicher, dass sich weder der Literaturbetrieb an sich noch das Juister Inselmarketing angegriffen fühlen werden. Wieso auch? Es ist eine erfundene Geschichte..
Die eigentliche Handlung scheint sich dem verlangsamten Lebenstempo auf der autofreien Urlaubsinsel anzupassen. Eigentlich ist die Aufdeckung des Mordes vergleichsweise unspektakulär. Bekannte Versatzstücke werden bemüht, auch eine ganze Reihe von Klischees bedient – bis hin zur Urlaubsromanze Ihrer Heldin Isabelle mit dem knorrigen Inselureinwohner Reemt. Wie wichtig ist Ihnen diese Einbettung in das bis ins Detail exakt beschriebene Urlauberleben auf einer Nordseeinsel wie Juist?
Saladin: Die Atmosphäre ist schon wichtig, um eine Geschichte farbig erzählen zu können. Und, ja, ich spiele gerne mit Klischees. Auch beim „verlangsamten Lebenstempo“ haben Sie Recht: Wer eine Actionhandlung à la James Bond mit spritzendem Blut, unzähligen Leichen und permanent explodierenden Autos erwartet, sollte „Ein Hauch von Meer und Mord“ lieber nicht lesen. Explodierende Autos auf einer autofreien Insel sind nämlich eher die Ausnahme, ebenso wie Feuergefechte und Verfolgungsjagden. Deshalb dachte ich mir, dass eine davon im Buch reicht...
Und wie wichtig ist Ihnen die Ironie?
Saladin: Ebenfalls sehr wichtig. Mit einem gesunden Schuss Ironie und Humor ist die Welt an sich viel besser zu ertragen, und das Leben macht deutlich mehr Spaß. Dasselbe gilt fürs Schreiben – und fürs Lesen.
Inselkrimis gibt es viele – welche Insel wäre denn für Sie ein denkbarer nächster Platz für literarischen Mord & Totschlag?
Saladin: Theoretisch ist natürlich auf jeder Insel ein literarischer Mord möglich, ebenso wie überall auf dem Festland. Aber wenn ich mich auf die Inseln beschränken soll: Ich habe verschiedene Ideen von kriminellen Machenschaften auch auf anderen Ostfriesischen Inseln im Hinterkopf. Zur Zeit bin ich allerdings gerade auf einer anderen Insel: in Island. Und auch hier bietet sich viel an, was sich literarisch gesehen kriminell verwerten lassen könnte – vor allem auch Dinge, denen ich mich in mitteleuropäischen Geschichten nicht bedienen könnte: Vulkane und kochende Schlammlöcher zum Beispiel, unberührte Weiten unwirklicher Steinwüsten, bizarre Lavaflächen mit tiefen Abgründen, einsame Nebelnächte, hohe Klippen über tosender nordatlantischer Brandung... Mal sehen...
Beschreibung: saladin-barbara-04062012-450x
Barbara Saladin
Homepage der Autorin: www.barbarasaladin.ch
Barbara Saladin geb. an einem Freitag, den 13. im Jahr 1976 in der Schweiz. Heute lebt sie auf dem Land im Oberbaselbiet und arbeitet als Journalistin, Redakteurin und als Autorin. Sie veröffentlichte mehrere Kriminalromane, ein Sachbuch sowie zahlreiche Kurzkrimis und Kurzgeschichten, schrieb ein Drehbuch und leitete ein Schweizer Kinofilmprojekt. 2008, während des Stipendiums „Tatort Töwerland“ auf Juist, lernte sie die Ostfriesischen Inseln kennen. Seither liebt sie sowohl Wellen, Watt und Weite der Nordseeküste als auch die Wälder und Weiden der Schweizer Jurahügel und ist literarisch gesehen an beiden Orten zuhause.
Beschreibung: saladin-ein-hauch-cover-04062012-250x
Die Schweizerin Isabelle besucht ihre Schwester Annina, die ein Praktikum im Nationalparkhaus auf der ostfriesischen Insel Juist absolviert. Vom Urlaub an der Nordsee erhofft sie sich Ablenkung, ist ihre Ehe doch gerade in die Brüche gegangen. Doch Anninas Begeisterung für Flora und Fauna des Wattenmeers vermag Isabelle nicht anzustecken. Nur langsam findet sie Gefallen an der Insel – und an Reemt, dem Vermieter ihres Pensionszimmers. Doch als sie und Reemt nachts am Strand einen Mann finden, der sterbend im Sand liegt, wird die vermeintliche Idylle jäh zerstört. Der Tote ist ein Freund von Annina – und diese glaubt nicht an die Version von Polizei und Presse, wonach er offenbar Opfer eines Irrtums wurde. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, und plötzlich findet sich auch Isabelle unfreiwillig mitten in einem Kriminalfall wieder.
BARABARA SALADIN
Ein Hauch von Meer und Mord
Juist-Krimi - Taschenbuch 217 Seiten
ISBN 978-3-942446-69-3 - 9,50 Euro
Sherlock Holmes
und der Fluch des grünen Diamanten
Auf der Reise zur Weltausstellung in Antwerpen lernt David Tristram, Sherlock Holmes‘ treuer Weggefährte, den Brüsseler Juwelier Jan Peeters kennen, da die Koffer der beiden Männer im Gepäckwagen vertauscht wurden. Wenige Tage später wird die Leiche des Juweliers aus dem Wasser der Schelde gefischt, und Holmes eilt aus seinem Exil in Paris herbei, um Licht in die mysteriösen Todesumstände des Belgiers zu bringen. Es stellt sich heraus, dass Peeters für einen in Brügge ansässigen Engländer den sagenumwobenen King-Diamanten begutachtet hat, einen lupenreinen grünen Diamanten, der angeblich großes Unglück über seine Besitzer bringt. Der kostbare Edelstein war fast dreihundert Jahre verschollen, bis er nun überraschend wieder auftauchte. Als ein weiterer Gast der Pension, in der auch Peeters logierte, eines unnatürlichen Todes stirbt, reist Holmes nach Brügge und Brüssel, wo er die Bekanntschaft eines etwas wunderlichen Kommissars macht, der sich ebenfalls für den toten Juwelier interessiert.
Franziska Franke In Leipzig geboren, hat nach ihrer Schulzeit, die sie in Essen, Schwetzingen und Wiesbaden verbrachte, an den Universitäten von Mainz und Frankfurt Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Kunstpädagogik studiert. Sie wohnt heute mit ihrem Mann in Mainz, wo sie freiberuflich in der Erwachsenenbildung tätig ist. „Sherlock Holmes und die Büste der Primavera“ war ihr Debüt als Romanautorin. In der „Sherlock Holmes-Reihe“ von Franziska Franke sind außerdem „… und der Club des Höllenfeuers“, sowie zuletzt 2011, „…und die Katakomben von Paris“ erschienen.
FRANZISKA FRANKE
Sherlock Holmes – und der Fluch des grünen Diamanten
Taschenbuch
263 Seiten
ISBN 978-3-942446-66-2
9,90 Euro
Termine
KBV-Autorenlesungen vom 6.-12.8.2012
Alle Angaben ohne Gewähr – Stand: 3.8.2012
Freitag, 10.08.2012
ANDREAS SCHMIDT
Krimilesung
Ort: „Achter het muurtje", im Garten, Tilburger Str. 10, 41751 Viersen
Beginn: 19.00 Uhr