Feature | Coole Typen, coole Regisseure, coole Filme

Von der ersten bis zur letzten Sekunde des Films ist KILLING THEM SOFTLY eine Demonstration, was „Coolness-Faktor“ bedeutet. Regisseur Andrew Dominik inszeniert stilsicher in beeindruckenden Bildern die Story des Auftragskillers Jackie Cogan (Brad Pitt), einer Ikone der Lässigkeit in einer verrohten Welt. Selbst ein Mord ist hier noch ein ästhetisches Ereignis. Um einen Gangsterfilm in einer derartigen Nonchalance auf die Leinwand zu bringen, bedarf es eines starken Regisseurs, einer charismatischen Hauptfigur und eines packenden Drehbuchs.

Wir präsentieren die gelungensten Beispiele der Filmgeschichte.

  • DRIVE (Nicolas Winding Refn, Ryan Gosling als Driver) - Der namenlose „Driver“ (Ryan Gosling) hat einen coolen Job. Er arbeitet als Stuntfahrer für den Film und wird für seine atemberaubenden Fahrkünste sehr geschätzt. Allerdings nicht nur beim Film, denn nachts bessert der Driver sein Gehalt mit illegalen Fahrten auf: Er ist Fluchtwagenfahrer bei Überfällen und hat bis jetzt noch jeden Rennen gegen die Polizei gewonnen. Von Gefühlen und Beziehungen hält der Driver nicht viel, bis er seine alleinerziehende Nachbarin Irene (Carrey Mulligan) näher kennen lernt. Als er durch sie persönlich in einen Deal verwickelt wird, gerät die Situation außer Kontrolle und der Driver kann sich nicht mehr nur allein auf seine Fahrkünste verlassen. Ein Film über einen coolen Stuntfahrer, der gegen seinen Willen Gefühle zulässt und nicht nur weiß, wie man mit coolen Autos – sondern auch mit Gangstern umgeht.

  • BAD LIEUTENANT (1992: Abel Ferrara, Harvey Keitel als The Lieutenant) - Der Bad Lieutenant ist bekannt auf New Yorks Straßen: der coole Polizist kennt die schäbigsten Viertel der Stadt wie seine Westentasche, ist wett- und drogensüchtig, schuldet der Mafia Geld und steht am Rande des psychischen Zusammenbruchs. Außerdem pflegt er Umgang mit Prostituierten und nutzt seine Polizeimarke, um sich auf der Straße den ein oder anderen Bonus zu sichern. Obwohl er stets cool tut, ist ihm doch klar, dass sich bald etwas ändern muss in seinem Leben. Um seine Schulden bei der Mafia auf einen Schlag los zu werden, macht er es sich zur Aufgabe, den Fall um eine vergewaltige Nonne zu lösen. 50.000 Dollar als Belohnung winken. Was als Job begann, wird für den Bad Lieutenant bald zu einer Bewährungsprobe und einer Möglichkeit, mit sich ins Reine zu kommen. Ein Film von Kultregisseur Abel Ferrara, der für seine kritischen New York-Porträts bekannt ist.

  • KILL BILL (Quentin Tarantino, Uma Thurman als „Kiddo“) - Quentin Tarantinos vierter Film in Eigenregie handelt von Rache: Eine junge Frau (Uma Thurman), die abwechselnd „die Braut“, „Black Mamba“ und „Kiddo“ genannt wird, wurde trainiert um zu töten. Als Mitglied eines Attentatskommandos ist sie in allen Kampfkünsten bewandert und ein eiskalter Killer. Als sie schwanger wird, verschweigt sie dies ihrem Lebensgefährten und Chef Bill und inszeniert ihren Tod, um ihr Kind in anderen Verhältnissen aufwachsen zu lassen. 9 Monate später hat „Kiddo“ ein neues Leben, einen Bräutigam – und Bill bekommt Wind davon. Bei einem Überfall von Bills Leuten wird sie schwer verletzt und landet im Koma. Als sie nach vier Jahren wieder aufwacht, flüchtet sie aus dem Krankenhaus und stellt eine Todesliste auf mit der Überschrift: Kill Bill. Sie wird sich an allen Attentätern von damals rächen. Blutig, rücksichtslos, kreativ – Quentin Tarantinos KILL BILL hat schon lange Kultstatus erreicht.

  • SIN CITY (Robert Rodriguez, Frank Miller, Gastregie: Quentin Tarantino. Mit: Bruce Willis, Clive Owen, Benicio del Toro, Jessica Alba, …) - Coole Gangster, krasse Action, ungewöhnliche Bilder – SIN CITY hat sich von Anfang an einen Namen als Ausnahmefilm gemacht. Jede der verschiedenen Figuren hat eine andere Geschichte zu erzählen, alle sind gespickt mit Gewalt, Verrat, Treue oder Ehre. Da ist der Ex-Sträfling Marv (Mickey Rourke), der seine Freundin rächen will und dabei auf den Massenmörder Kevin (Elijah Wood) trifft, dann der in die Jahre gekommene Cop Hartigan (Bruce Willis), der das Mädchen Nancy (Jessica Alba) vor einem Mörder retten will und sich dann selbst für sie opfert. Auch ein Auftragskiller (Josh Hartnett), korrupte Politiker und weitere Schurken treiben in Sin City ihr Unwesen und machen den Film zu einer der coolsten Comic-Adaptionen der vergangenen Jahre – nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit des Regisseurs mit dem Comiczeichner Frank Miller und der Gastregie von Kultregisseur Quentin Tarantino.

- KILLING THEM SOFTLY - Lederjacke, Sonnenbrille, zurückgegelte Haare - Auftragskiller Jackie Cogan (Brad Pitt) ist die Coolness in Person. Er wird von der Mafia engagiert, um zwei Kleinganoven ausfindig zu machen, die ein illegales Pokerspiel überfallen und sich mit dem Geld aus dem Staub gemacht haben – und er macht einen hervorragenden Job. Nicht nur findet Cogan den Drahtzieher hinter dem Coup, auch hat er seine ganz eigene Art, die Dinge anzugehen. Der Film trägt nicht zufällig den Titel „Killing them softly“, denn Cogan tötet gerne sanft: aus der Ferne, ohne Emotionen, sauber. Dabei trifft er auf Menschen, die zwar cool sind auf ihre Weise, aber nicht an ihn herankommen können. Unterstreicht wird die Lässigkeit des Auftragskillers durch Johnny Cashs „The Man comes around“, tolle Kameraeinstellungen, hintergründige Dialoge und einen Schauspieler, der weiß, was er tut.

KILLING THEM SOFTLY läuft seit dem 29. November in den deutschen Kinos!

9. Dezember 2012, von Markus 'Markus S.' Schaffarz