Die Musik in "Final Fantasy XIV" - OPERN IM ONLINE GAME

In Hollywood genießen Filmkomponisten wie Hans Zimmer Weltruhm und gewinnen für ihre Werke Oscars. Ihre Musik erreicht auch außerhalb der Kinos ein Millionenpublikum, füllt Konzertsäle, und die Alben werden mit Platinstatus ausgezeichnet. Das viel jüngere Genre der Videospielmusik bringt vergleichbar brillante Kompositionen hervor und feiert mittlerweile ebenso große Erfolge.

Aufgewachsen in einer Musikerfamilie begeisterte sich der klassische Pianist Benyamin Nuss (28) schon frühzeitig für Videospiele. Fasziniert von der Grafik und der Musik entdeckte er die Spiele der Final Fantasy-Reihe mit der Musik des japanischen Komponisten Nobuo Uematsu. Aus der anfänglichen Bewunderung entwickelte sich bis heute eine persönliche Freundschaft zu Uematsu, der „bekannt ist für seine außerordentlichen Melodien und seine ganz herausragenden Tonfolgen. Er ist sehr experimentierfreudig. Es ist keineswegs nur gefällige, sondern sehr komplexe Musik - sowohl harmonisch als auch melodisch“, beschreibt Benyamin Nuss die orchestralen Kompositionen. „Man kann Videospielmusik am besten mit der Oper vergleichen. In der orchestralen Musik in „Final Fantasy XIV“ gibt es Leitmotive, die immer wieder auftauchen. Nicht zuletzt durch diese Musik ist das Gaming in der Hochkultur angekommen, es gilt als eine neue Form von Kunst“, erläutert Benyamin Nuss.

„In meine Konzerte kommen Menschen, die sich vorher gar nicht für klassische Musik interessiert haben, genauso wie Menschen, die durch die Musik begeistert in die Welt von „Final Fantasy“ gefunden haben“, fasst der Kölner Pianist und Komponist die Entwicklung zusammen. Sein Debütalbum brachte Nuss bei der Deutschen Grammophon raus - natürlich mit Stücken aus Videospielen. Aus seiner jugendlichen Begeisterung entwickelt sich eine neue Kultur.

Die Musik im Guinness-Buch der Rekorde
Kein Wunder also, dass der Markt für Videospielmusik in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Auch die Industrie setzt auf diesen Trend und produziert immer aufwändigere Soundtracks. Im Internet gehen die Kompositionen für Videospiele durch die Decke. Bei YouTube haben die Musikstücke aus Final Fantasy XIV - A Realm Reborn und den Erweiterungen, Heavensward und Stormblood fast 3 Millionen Aufrufe. Ebenso bei Streamingdiensten werden die Final Fantasy XIV-Werke millionenfach angehört. Zu entdecken sind nicht nur Kompositionen von Uematsu, sondern vor allem Werke des Sound Directors Masayashi Soken, der unter anderem die bekannte Sängerin Susan Calloway engagierte. Soken ist nicht nur das eigentliche Mastermind hinter den fulminanten Klängen von Final Fantasy XIV, sondern bescherte dem Spiel zudem einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde für die meisten originalen Musikstücke in einem Computerspiel.

Die Arrangements aus Online Games sind schon lange nicht mehr nur in virtuellen Welten erlebbar - allein 2018 wird es weltweit über 500 Konzerte mit Musik aus Videospielen geben. Die klassischen Interpretationen der Videospielmusik überschreiten die Grenzen der heute durchaus noch skeptisch betrachteten Gamer Szene und verschaffen auch vielen älteren Menschen einen Zugang zur virtuellen Spielwelt.

Live im August in Dortmund
Wer selbst in die Welt der Gamingsoundtracks einsteigen will, sollte am 24.08. oder 25.08. das Konzerthaus Dortmund besuchen. Im Zuge der Gamescom 2018 werden ausgewählte Titel aus dem umfangreichen Soundtrack von Final Fantasy XIV von einem kompletten Orchester aufgeführt. Begleitet von einem Chor, renommierten Solisten und mit Blick auf eine Leinwand, auf der Spielausschnitte gezeigt werden, taucht dieser Abend audiovisuell in die virtuelle Welt von Eorzea ein. Vor Ort sind übrigens auch Sound Director und Komponist Masayoshi Soken und Produzent Naoki Yoshida.

20. Juni 2018, von Markus 'Markus S.' Schaffarz

Final Fantasy XIV

PC Spiel

GenreRollenspiel
PublisherSquare Enix Europe
Release30.09.2010
DistributorKoch Media
EAN5021290042636

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