Carola Clasen über den Moment für den Mord, ein Lehmstampfbecken und den Winter
Carola Clasen ist eine der bekanntesten Eifel-Krimi Autoren. Die „Queen of Eifel-Crime“ wie sie schon genannt wurde, hat jetzt erneut eine Sammlung ihrer Kurzkrimis vorgelegt, die bisher verstreut in Sammlungen erschienen sind.
Irgendwann ist auch für unsere viel reisenden Autoren Vorlese-Sommerpause. Genauer: zwischen dem 16. und 22. Juli. Na ja, nicht ganz: Regine Kölpin z.B. bietet am kommenden Donnerstag, 19. Juli, eine „Historisch-Kriminelle Stadtführung“ im schönen ostfriesischen Jever an. Treffpunkt ist um 20 Uhr, Anmeldung unter : 04461/71010 (Teilnahmegebühr 5 € pro Person).
„Im besten Fall ist der Kurzkrimi ein kompletter Roman“
Carola Clasen über den Moment für den Mord, ein Lehmstampfbecken und den Winter
Frau Clasen, man nennt Sie die „Queen of Eifel-Crime“. In „Die Eifel sehen und sterben“ legen Sie gebündelt bisher in verschiedenen Sammlungen erschienene Kurzgeschichten vor. Nach welchen Kriterien haben Sie die 23 Kurzkrimis ausgesucht?
Clasen: „Die Eifel sehen und sterben" ist meine zweite Kurzgeschichtensammlung. Nach "Schwarze Schafe", eine Sammlung, die bereits 2005 erschienen ist, habe ich in den letzten sieben Jahren für die meisten meiner Lesungen neue Kurzgeschichten geschrieben. Mal für ein Krimi-Dinner, mal für „Abendgrauen" oder „Tatort Eifel", die Criminale oder eine Ausschreibung. So ist im Laufe der Zeit ein buntes, vielfältiges Spektrum zusammengekommen.
Mal naiv gefragt: Was sollte ein Kurzkrimi eigentlich immer haben?
Clasen: Man nennt es „Twisted Tail", das ist ein unerwartetes Ende, was nicht heißen soll, dass der Autor einfach einen Täter aus dem Hut zaubern kann. Im besten Fall ist der Kurzkrimi ein kompletter Kriminalroman - mit wenigen Worten, von denen jedes einzelne das Gewicht von Hunderten hat.
Haben Sie für diese Untergattung des Romans literarische Vorbilder?
Clasen: Agatha Christie, George Simenon, Joan Aiken, Ruth Rendel /Barbara Vine, die aber alle auch vorzügliche Kriminalromane geschrieben haben.
Die Titelgeschichte zum Beispiel ist sarkastisch-rabenschwarz. Es geht eigentlich um den Satz „Ich verstehe Dich!“, der Paar-Streitigkeiten beendet, hier aber zu einem anderen Ende führt, auch dem eines Paares. Das wirft, wie auch manch anderer Kurzkrimi der Sammlung, kein gutes Licht auf das Miteinander von Mann und Frau. Wie ist denn die Moral von dieser Geschicht‘?
Clasen: Fakt ist doch, 70 % aller Verbrechen sind Beziehungstaten, ganz im Sinne von Joan Aiken, die den Kriminalroman „Hass beginnt daheim" geschrieben hat. Moral? Ich weiß nicht. Vielleicht die, dass die Herren Ermittler sich nicht allzu weit weg von der Hausschwelle begeben müssen, um einen Täter ausfindig zu machen.
In anderen Fällen geht es um Getränke und ihre tödliche Wirkung oder ihre tödlichen Auslöser: Kaffee, Wein – Mord & Totschlag ist eben immer und überall aus allen nur denkbaren Anlässen möglich. Es bedarf gar keiner großen Tragödien zuvor. Sehen Sie das auch so?
Clasen: Ja, es ist der eine Tag, der eine Moment, die eine Situation, die das Fass zum Überlaufen bringen können. Und dazu kommt dann die gute Gelegenheit, die man nicht herbeireden kann, die einfach kommt, und dann muss man sie nutzen, weil man nicht weiß, wann sich die nächste bietet. Oder die andere Gelegenheit, die einen erst auf die Idee bringt, etwas zu tun, was man schon immer tun wollte.
Überraschend wirkt andererseits wiederum die stellenweise überexakte Verortung der kriminellen Handlung. Da wird Ort, Straße, Adresse, der Klarname angegeben – alles authentisch. Weiß die Inhaberin einer Laufschule in der Eifel von dem „Todesfall“ in ihrem Lehmstampfbecken?
Clasen: Mehr als das: Frau Umbach von der Laufschule in Ellscheid hat sich gewünscht, dass in ihrem Lehmstampfbecken ein Mord geschieht! Ihre Laufschule war einer der Schauplätze, die sich um einen Platz in der Anthologie „Tatort Eifel 3" beworben haben. Ergebnis meines fröhlich-mörderisch gestimmten Tages in Ellscheid ist die Kurzgeschichte „Schritt für Schritt". Die Lesung in einer Vollmondnacht im Herbst war schaurig-schön. Niemand hat danach gewagt, in die Nähe dieses Lehmstampfbeckens zu kommen.
„Die Eifel sehen und sterben“ macht natürlich Lust auf mehr. Und so fragen sich die Carola Clasen-Fans, wann es denn wieder ernst wird, also ein kompletter Krimi von Ihnen erscheint?
Clasen: „Nirgendwo in der Eifel" erscheint im September 2012 bei Ihnen, aber es ist kein Krimi. Es hat seine Heimat in „Eyfalia", der Phantastischen Reihe im KBV gefunden und befindet sich ein bisschen zwischen den Welten. Eine skurrile Geschichte um ein seltsames Dorf in der Eifel, das es nicht gibt ... oder doch?
Ich bin eine Winterschreiberin - wenn die Tage dunkel und kalt werden, dann sitze ich am Schreibtisch und denke mir schreckliche Geschichten aus - so wird sich vermutlich schon im nächsten Frühjahr zeigen, wen es dieses Mal trifft...